Die Hohenzollern - von der Burg zum Kaiserreich

Die Burg Hohenzollern, Stammsitz der Hohenzollern Familie, thront majestätisch auf einem Berg inmitten eines dichten Waldes.

Geschrieben von

Winfried Adam

Veröffentlicht am

18. Sept. 2026

Inhaltsverzeichnis

Wer die Hohenzollern verstehen will, muss nicht bei Kaiser Wilhelm II. beginnen, sondern bei einer mittelalterlichen Adelsfamilie aus dem südwestdeutschen Raum. Aus den Grafen von Zollern wurden Burggrafen von Nürnberg, Kurfürsten von Brandenburg, Könige von Preußen und schließlich deutsche Kaiser. Ich zeige hier die wichtigsten Entwicklungsschritte, die Unterschiede zwischen den Familienlinien und die Orte, an denen sich diese Geschichte besonders anschaulich erleben lässt.

Die wichtigsten Fakten zur Geschichte der Hohenzollern auf einen Blick

  • Ursprung: Die Dynastie geht auf die Grafen von Zollern im heutigen Baden-Württemberg zurück.
  • Aufstieg: 1415 beziehungsweise 1417 erhielten die Hohenzollern die Mark Brandenburg und stiegen in den Reichsfürstenstand auf.
  • Preußen: 1701 wurde Friedrich III. von Brandenburg als Friedrich I. zum König in Preußen gekrönt.
  • Kaiserreich: Von 1871 bis 1918 stellten die preußischen Hohenzollern den deutschen Kaiser.
  • Zwei Linien: Die brandenburgisch-preußische und die schwäbische Linie entwickelten sich politisch und religiös unterschiedlich.
  • Heute: Die Familie besitzt keine staatliche Herrschaft mehr, bleibt aber durch Burgen, Schlösser und historische Debatten präsent.

Warum die Hohenzollern mehr als eine Kaiserfamilie sind

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Hohenzollern oft mit dem Deutschen Kaiserreich verbunden. Das greift jedoch zu kurz. Die Dynastie prägte über mehrere Jahrhunderte Brandenburg, Preußen und große Teile der deutschen Staatsgeschichte, bevor sie 1871 überhaupt den Kaisertitel erhielt.

Der Name verweist auf die Burg Hohenzollern bei Hechingen. Von dort aus gelang der Familie ein ungewöhnlicher Aufstieg, der weniger auf einem einzigen großen Sieg beruhte als auf Heiratspolitik, Verwaltung, militärischer Organisation und geschickter Machtpolitik. Genau diese Mischung macht die Geschichte für mich so interessant: Die Hohenzollern waren nicht nur Krieger, sondern auch effiziente Staatsorganisatoren.

Historisch muss man außerdem zwischen mehreren Linien unterscheiden. Die fränkisch-brandenburgische Linie entwickelte sich zur preußischen Königs- und deutschen Kaiserfamilie. Die schwäbische Linie blieb stärker mit den süddeutschen Stammlanden verbunden und stellte später unter anderem die Könige von Rumänien.

Vom Grafen von Zollern zum Kurfürsten von Brandenburg

Die Anfänge im Südwesten

Die frühen Hohenzollern gehörten zum Hochadel des mittelalterlichen Schwabens. Ein entscheidender Schritt war der Erwerb des Amtes als Burggrafen von Nürnberg im späten 12. Jahrhundert. Dieses Amt war weit mehr als eine repräsentative Aufgabe. Der Burggraf vertrat königliche Interessen in einem wichtigen politischen und wirtschaftlichen Raum.

Von Nürnberg aus baute die Familie ihre Stellung in Franken aus. Neben Nürnberg spielten später Ansbach und Bayreuth eine wichtige Rolle. Diese fränkische Machtbasis bildete das Sprungbrett für den nächsten, weitaus bedeutenderen Aufstieg.

Brandenburg als Wendepunkt

1415 übertrug König Sigismund dem Hohenzollern Friedrich VI. die Mark Brandenburg; 1417 folgte die feierliche Belehnung. Damit erhielten die Hohenzollern nicht nur ein großes Territorium, sondern auch die Kurwürde. Ein Kurfürst besaß im Heiligen Römischen Reich das Recht, an der Wahl des Königs mitzuwirken.

Brandenburg war damals kein geschlossenes, bequem zu regierendes Land. Die Gebiete lagen weit auseinander, Verkehrswege waren schwierig und der Adel besaß starke eigene Rechte. Die Hohenzollern mussten ihre Herrschaft deshalb über lange Zeit mühsam festigen. Gerade diese Verwaltungsarbeit legte den Grundstein für den späteren preußischen Staat.

Zeitraum Entwicklung Bedeutung
Ab 1192 Hohenzollern als Burggrafen von Nürnberg Aufstieg im fränkischen Raum
1415/1417 Übernahme der Mark Brandenburg Aufstieg zum Kurfürstenhaus
1618 Brandenburg übernimmt das Herzogtum Preußen Entstehung von Brandenburg-Preußen
1701 Friedrich I. wird König in Preußen Beginn des preußischen Königtums
1871 Wilhelm I. wird deutscher Kaiser Gründung des Deutschen Kaiserreichs

Wie Preußen zur europäischen Großmacht wurde

Der Dreißigjährige Krieg hatte Brandenburg schwer getroffen. Kurfürst Friedrich Wilhelm, der später als der Große Kurfürst bekannt wurde, baute danach Verwaltung, Armee und Finanzen neu auf. Seine Politik war nicht immer freundlich gegenüber den Landständen, aber sie machte Brandenburg-Preußen handlungsfähiger.

1618 fiel das Herzogtum Preußen an die brandenburgische Linie. 1701 erhielt Friedrich III. die Königswürde und regierte fortan als Friedrich I. Der Titel lautete bewusst „König in Preußen“, weil sich damals nicht alle preußischen Gebiete innerhalb des Heiligen Römischen Reiches befanden.

Besonders stark prägte Friedrich II., bekannt als Friedrich der Große, das Bild Preußens. Er regierte von 1740 bis 1786, führte mehrere Kriege und vergrößerte das Staatsgebiet erheblich. Zugleich förderte er Verwaltung, Bildung und Kultur. Ich finde gerade diesen Widerspruch wichtig: Friedrich erscheint oft als aufgeklärter Monarch, war aber ebenso ein machtbewusster Kriegsherr.

Im 19. Jahrhundert verband sich die preußische Machtpolitik mit der deutschen Nationalbewegung. Unter Wilhelm I. und Ministerpräsident Otto von Bismarck entstand 1871 das Deutsche Kaiserreich. Wilhelm I. wurde deutscher Kaiser, blieb aber zugleich König von Preußen. Preußen war der politische Kern des neuen Reiches, nicht einfach ein anderes Wort für Deutschland.

Zwei Linien, zwei historische Erfahrungen

Wer von der Hohenzollern-Familie spricht, meint nicht immer dieselbe politische Tradition. Die beiden großen Linien unterschieden sich deutlich in Religion, Herrschaftsgebiet und historischer Rolle.

Linie Schwerpunkt Wichtige Stationen
Brandenburgisch-preußische Linie Nord- und Ostdeutschland Kurfürsten von Brandenburg, Könige von Preußen, deutsche Kaiser
Schwäbische Linie Hohenzollern und Sigmaringen Fürsten von Hohenzollern, später rumänisches Königshaus

Die schwäbische Linie blieb katholisch, während die brandenburgisch-preußische Linie dem Protestantismus angehörte. Diese konfessionelle Trennung erklärt, warum der Name Hohenzollern in Süddeutschland mit anderen politischen Erinnerungen verbunden ist als in Berlin oder Potsdam.

Aus dem Haus Hohenzollern-Sigmaringen stammte Carol I., der ab 1866 Fürst und ab 1881 König von Rumänien war. Dieses Beispiel zeigt, dass europäische Dynastien nicht an moderne Staatsgrenzen gebunden waren. Heiraten, Erbfolgen und internationale Bündnisse verbanden die Fürstenhäuser über Ländergrenzen hinweg.

Zeichnung einer Burg auf einem Hügel, die an die Hohenzollern Familie erinnert.

Was das Ende der Monarchie 1918 veränderte

Der Erste Weltkrieg erschütterte die politische Ordnung Europas. 1918 dankte Wilhelm II. als deutscher Kaiser und König von Preußen ab. Damit endete die staatliche Herrschaft der Hohenzollern. Die Familie blieb als privates Haus bestehen, verlor aber ihre monarchischen Rechte.

Nach der Revolution wurden Besitz, Schlösser und Vermögensfragen neu geregelt. Nach 1945 verschärfte sich die Situation, weil zahlreiche frühere Besitzungen in der sowjetischen Besatzungszone und in den ostdeutschen Gebieten lagen. Bis heute wird deshalb darüber diskutiert, welche Güter privates Eigentum, staatliches Kulturerbe oder historisches Entschädigungsobjekt sind.

Auch das Verhältnis einzelner Hohenzollern zum Nationalsozialismus gehört zu dieser Debatte. Dabei sollte man sauber unterscheiden: Die Monarchie war 1933 bereits abgeschafft, doch einige Angehörige des Hauses unterstützten konservative und nationalsozialistische Kräfte. Eine pauschale Gleichsetzung der gesamten Familie mit dem NS-Regime wäre historisch ebenso ungenau wie eine Verharmlosung solcher politischen Kontakte.

Für mich liegt hier die eigentliche Herausforderung der Erinnerungskultur. Schlösser und Kronen erzählen von Glanz, aber sie erzählen auch von Militarismus, sozialer Ungleichheit und politischer Verantwortung. Wer die Hohenzollern nur romantisiert, versteht ihre Wirkung nicht vollständig.

Wo sich die Geschichte der Dynastie erleben lässt

Die Geschichte bleibt besonders lebendig, wenn man sie nicht nur liest. Mehrere Orte eignen sich dafür, die Entwicklung der Dynastie aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.

Burg Hohenzollern bei Hechingen

Die Burg ist der sichtbarste Erinnerungsort an die schwäbischen Wurzeln. Die heutige Anlage ist bereits die dritte Burg auf dem Zollerberg und wurde im 19. Jahrhundert im Stil einer idealisierten mittelalterlichen Festung neu errichtet. Sie ist deshalb zugleich historisches Denkmal und bewusste Inszenierung von Geschichte.

Berlin und Potsdam

In Berlin lässt sich die politische Seite der Hohenzollern nachvollziehen, etwa an den einstigen Residenzen und Museen. Potsdam zeigt besonders eindrucksvoll, wie eng Politik, Architektur und Landschaftsgestaltung miteinander verbunden waren. Sanssouci, das Neue Palais und weitere Anlagen vermitteln das Selbstbild der preußischen Könige, aber auch ihren enormen Repräsentationsaufwand.

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Nürnberg und Franken

Nürnberg, Ansbach und Bayreuth machen die fränkische Phase sichtbar. Wer dort unterwegs ist, erkennt, dass die Dynastie nicht plötzlich in Brandenburg auftauchte. Ihr späterer Aufstieg beruhte auf einer langen regionalen Machtgeschichte, die im fränkischen Raum begann.

Für eine Kulturreise würde ich nicht versuchen, alle Stationen in wenigen Tagen abzuhaken. Sinnvoller ist eine Route mit einem Schwerpunkt. Hechingen eignet sich für die Ursprünge, Berlin und Potsdam für Preußen und das Kaiserreich, während Franken den frühen Aufstieg der Familie erklärt.

Warum die Hohenzollern bis heute relevant bleiben

Die Hohenzollern waren keine Randfigur der deutschen Geschichte, sondern eine Dynastie, die über Jahrhunderte staatliche Strukturen, Kriege, Kultur und gesellschaftliche Ordnung beeinflusste. Ihr Erbe reicht von mittelalterlichen Burgen bis zu den politischen Konflikten des 20. Jahrhunderts.

Wer sich dem Thema nähert, sollte deshalb drei Ebenen auseinanderhalten: die Familie als Adelsgeschlecht, Preußen als Staat und das Deutsche Kaiserreich als politische Ordnung. Erst diese Unterscheidung verhindert, dass unterschiedliche Epochen und Personen zu einer einzigen Legende verschmelzen.

Mein wichtigster Rat lautet, die prachtvollen Schauplätze mit einem kritischen Blick zu besuchen. Gerade dann wird aus einer Schlossbesichtigung mehr als ein Blick auf alte Möbel und Kronen: Man erkennt, wie eng persönliche Herrschaft, kulturelle Repräsentation und die Entstehung des modernen Deutschlands miteinander verbunden waren.

Häufig gestellte Fragen

Die Familie wurde im späten 12. Jahrhundert zu Burggrafen von Nürnberg und baute von dort ihre fränkische Machtbasis aus. 1415 übertrug König Sigismund Friedrich VI. die Mark Brandenburg; 1417 folgte die feierliche Belehnung mit der Kurwürde.

Die brandenburgisch-preußische Linie herrschte in Nord- und Ostdeutschland, stellte die Könige von Preußen und ab 1871 die deutschen Kaiser. Die schwäbische Linie blieb katholisch und war mit Hohenzollern und Sigmaringen verbunden; aus ihr stammte unter anderem das rumänische Königshaus.

Friedrich III. von Brandenburg wurde 1701 als Friedrich I. gekrönt. Der Titel lautete bewusst „König in Preußen“, weil damals nicht alle preußischen Gebiete innerhalb des Heiligen Römischen Reiches lagen.

Die Burg Hohenzollern bei Hechingen zeigt die schwäbischen Ursprünge. Berlin und Potsdam stehen für Preußen und das Kaiserreich, während Nürnberg, Ansbach und Bayreuth die fränkische Aufstiegsphase der Dynastie veranschaulichen.

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Winfried Adam

Mein Name ist Winfried Adam, und ich bringe neun Jahre Erfahrung in der Erkundung der kulturellen und literarischen Schätze Deutschlands mit. Mein Interesse an Kulturreisen und literarischen Entdeckungen wurde geweckt, als ich zum ersten Mal die faszinierenden Geschichten und historischen Orte entdeckte, die unser Land zu bieten hat. Besonders begeistert mich die Verbindung zwischen Literatur und den Orten, an denen sie entstanden ist. In meinen Beiträgen beschäftige ich mich mit der Analyse von literarischen Werken, dem Aufspüren von kulturellen Highlights und dem Teilen von praktischen Tipps für Reisende. Dabei lege ich großen Wert darauf, Informationen gründlich zu recherchieren, verschiedene Perspektiven zu vergleichen und komplexe Themen verständlich aufzubereiten. Mein Ziel ist es, meinen Lesern nützliche, präzise und aktuelle Informationen zu bieten, die ihre eigenen Entdeckungsreisen bereichern.

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