Behaim-Globus in Nürnberg - Was der Erdapfel erzählt

Der Behaim Globus, ein historisches Meisterwerk, zeigt die Welt im späten 15. Jahrhundert.

Geschrieben von

Marian Schindler

Veröffentlicht am

3. Okt. 2026

Inhaltsverzeichnis

Ein Erdglobus aus Nürnberg kann mehr erzählen als eine bloße Geschichte der Kartografie. Der Behaim-Globus, auch „Erdapfel“ genannt, zeigt, wie sich Menschen um 1492 die Welt vorstellten, welche Kenntnisse aus Handel und Seefahrt einflossen und warum ein historisches Objekt trotz großer Lücken wissenschaftlich so wertvoll bleibt. Ich ordne seine Entstehung ein, erkläre die auffälligsten Darstellungen und gebe praktische Hinweise für den Museumsbesuch.

Die wichtigsten Fakten zum Nürnberger Erdapfel auf einen Blick

  • Entstehungszeit: Der Globus wurde zwischen 1492 und 1494 in Nürnberg angefertigt.
  • Bedeutung: Er gilt als ältester erhaltener Erdglobus in Kugelform.
  • Größe: Die Kugel hat einen Durchmesser von 51 Zentimetern, das gesamte Objekt ist etwa 1,33 Meter hoch.
  • Weltbild: Amerika fehlt, weil der Globus vor der europäischen Kenntnis des amerikanischen Kontinents vollendet wurde.
  • Aufbewahrung: Das Original befindet sich im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.
  • Auszeichnung: Seit 2023 gehört das Objekt zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Der Behaim Globus, ein historisches Meisterwerk, wird von einer Frau mit Tablet betrachtet.

Warum der Behaim-Globus mehr als eine alte Weltkarte ist

Der Nürnberger Erdapfel ist die älteste erhaltene Darstellung der Erde als Kugel. Das macht ihn zunächst zu einem Meilenstein der Geografiegeschichte. Bei genauerem Hinsehen wird aber klar, dass er ebenso ein Kunstwerk, ein politisches Zeugnis und eine Sammlung mittelalterlicher Vorstellungen ist.

Auf seiner Oberfläche stehen Ortsnamen, kurze Texte, Wappen, Herrscherfiguren, Tiere und Fabelwesen. Die Kugel wirkt deshalb nicht wie ein nüchternes Messinstrument, sondern wie eine Enzyklopädie des ausgehenden Mittelalters. Genau diese Mischung fasziniert mich besonders: Der Globus zeigt nicht nur, was man damals wusste, sondern auch, was man glaubte, erzählte und vermutete.

Seine Bezeichnung geht auf Martin Behaim zurück, einen Nürnberger Kaufmann, der längere Zeit in Portugal lebte und dort Erfahrungen mit Handel und Seefahrt sammelte. Dennoch sollte man ihn nicht als alleinigen Handwerker des Objekts verstehen. Er lieferte den Entwurf und wesentliche Inhalte, während Nürnberger Spezialisten die Kugel herstellten und bemalten.

Wie der Nürnberger Erdapfel entstanden ist

Der Rat der Reichsstadt Nürnberg gab den Globus 1492 in Auftrag. Die Arbeiten zogen sich bis etwa 1494 hin. Martin Behaim war an der Konzeption beteiligt, die konkrete Ausführung übernahmen unter anderem der Illuminator Georg Glockendon der Ältere, der Maler Hans Storch und der Schreiber Petrus Gagenhart.

Die Kugel besteht nicht aus massivem Holz oder Metall. Verwendet wurden geleimte Stoffe, Pergament und Papier, die anschließend bemalt und beschriftet wurden. Das Gestell besteht aus Eisen, der Horizontring aus Messing. Der heute sichtbare Aufbau ist zudem nicht vollständig unverändert, denn der Horizontring wurde um 1510 ergänzt.

Die Arbeit war technisch anspruchsvoll. Zuerst musste eine möglichst stabile Kugel hergestellt werden, danach folgten die geografischen Einteilungen, die Bemalung und die zahllosen Inschriften. Für mich ist gerade dieser Herstellungsprozess wichtig, weil er den Globus als Gemeinschaftsleistung sichtbar macht. Der Name Behaim steht im Mittelpunkt, doch ohne die Nürnberger Werkstätten wäre dieses Kulturdenkmal nicht entstanden.

Merkmal Angabe
Entwurf und Konzeption Martin Behaim
Herstellungsort Nürnberg
Entstehungszeit 1492 bis 1494
Durchmesser der Kugel 51 cm
Höhe mit Gestell etwa 1,33 m
Materialien Stoff, Leim, Pergament, Papier, Eisen und Messing

Was der Globus über das Weltbild von 1492 verrät

Der Globus entstand zeitgleich mit Christoph Kolumbus’ erster Reise nach Westen. Auf ihm fehlen deshalb Nord- und Südamerika. Das ist kein handwerklicher Fehler, sondern ein historischer Hinweis auf den Wissensstand seiner Zeit. Die Darstellung zeigt Europa, Afrika und Asien, dazu Inseln und Gebiete, deren Lage teils nur ungenau bekannt war.

Besonders auffällig ist die große Ausdehnung Asiens nach Osten. Japan erscheint unter dem Namen Zipangu, während zahlreiche Küstenlinien und Entfernungen nicht den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen. Aus heutiger Sicht ist das falsch, historisch aber äußerst aufschlussreich. Der Globus dokumentiert eine Welt, in der Reiseberichte, antike Geografie, religiöse Vorstellungen und eigene Beobachtungen nebeneinanderstanden.

Auch die Texte verdienen Aufmerksamkeit. Sie berichten von Ländern, Herrschern, Handelswaren und fremden Völkern. An der afrikanischen Westküste finden sich Hinweise auf portugiesische Seefahrten, darunter auf die Reisen Diogo Cãos. Damit verbindet das Objekt gelehrtes Wissen mit praktischer Navigation und mit den politischen Interessen der europäischen Expansion.

Gleichzeitig sollte man die Darstellung nicht romantisieren. Der Globus erzählt auch von einem europäischen Blick auf die Welt, der von Handel, Mission, Macht und Fremdbeschreibungen geprägt war. Das Germanische Nationalmuseum ordnet ihn deshalb heute kritischer ein als frühere Generationen. Diese Perspektive macht das Objekt nicht weniger beeindruckend, sondern historisch ehrlicher.

Was der Globus zeigt und was ihm fehlt

Viele Besucher erwarten von einem Erdglobus vor allem geografische Genauigkeit. Beim Erdapfel führt diese Erwartung in die falsche Richtung. Sein Wert liegt weniger darin, dass er die Erde korrekt vermisst, sondern darin, dass er ein vor-kolumbianisches europäisches Weltbild sichtbar macht.

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Die auffälligsten Inhalte

  • Europa und das Mittelmeer erscheinen vergleichsweise detailliert, weil diese Räume für Handel und Politik besonders wichtig waren.
  • Afrika enthält Informationen aus portugiesischen Erkundungsfahrten und verweist auf die wachsende Bedeutung des Seewegs.
  • Asien wird stark von älteren geografischen Überlieferungen und Reiseberichten geprägt.
  • Fabelwesen und exotische Tiere zeigen, dass geografische Darstellung und erzählerische Tradition noch eng verbunden waren.
  • Amerika fehlt vollständig, was den Globus zu einem Dokument unmittelbar vor dem tiefgreifenden Wandel des europäischen Weltbildes macht.

Ein häufiger Irrtum besteht darin, Martin Behaim als „Entdecker“ der Erde zu bezeichnen. Er entwarf keinen Globus aus eigener Weltumsegelung und kannte Amerika nicht. Treffender ist die Beschreibung als Vermittler von Handels-, Reise- und Geografiewissen, das in Nürnberg künstlerisch und technisch umgesetzt wurde.

Ebenso irreführend wäre die Vorstellung, der Globus habe bereits als präzises Navigationsgerät an Bord von Schiffen gedient. Seine Größe, Konstruktion und Bildsprache sprechen eher für ein repräsentatives und gelehrtes Objekt. Er sollte Wissen ordnen und sichtbar machen, nicht die moderne Navigation ersetzen.

Wo man den Behaim-Globus in Nürnberg sehen kann

Das Original steht im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg in der Dauerausstellung zu Renaissance, Barock und Aufklärung. Für eine Kulturreise ist der Besuch besonders lohnend, wenn man nicht nur wenige Minuten vor der Kugel verbringt. Die kleinen Texte und Bilddetails erschließen sich erst, wenn man sich Zeit für einzelne Regionen nimmt.

Für die Besuchsplanung im Jahr 2026 gelten regulär folgende Zeiten: Das Museum ist montags geschlossen, von Dienstag bis Sonntag meist von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Mittwochs reicht die Öffnungszeit bis 20.30 Uhr. Wegen laufender Sanierungsarbeiten können einzelne Bereiche zeitweise nicht zugänglich sein, daher sollte man die aktuelle Besuchsinformation vor der Anreise prüfen.

Ich würde den Globus mit einem Rundgang durch die weiteren wissenschafts- und technikgeschichtlichen Bestände verbinden. Astrolabien, Sonnenuhren und andere historische Instrumente helfen dabei zu verstehen, in welcher Wissenswelt der Erdapfel entstanden ist. Wer vor Ort nicht alle Inschriften entziffern kann, profitiert außerdem von den digitalen Angeboten und der wissenschaftlichen Aufbereitung des Objekts.

Seit 2023 gehört der Globus zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Diese Auszeichnung bezieht sich nicht nur auf sein Alter, sondern auf seinen besonderen Quellenwert für die Geschichte von Wissen, Globalisierung und europäischen Kulturkontakten.

Was vom Nürnberger Erdapfel nach dem Museumsbesuch bleibt

Der Behaim-Globus ist weder eine perfekte Weltkarte noch ein Beweis dafür, dass seine Zeitgenossen die Erde bereits umfassend kannten. Er ist spannender als beides, weil er Wissen und Irrtum, Kunst und Macht, Neugier und Begrenzung auf einer einzigen Kugel zusammenführt.

Wer ihn betrachtet, sieht Europa unmittelbar vor einer historischen Zäsur. Genau darin liegt seine bleibende Bedeutung: Der Erdapfel zeigt nicht einfach, wie die Welt war, sondern wie Menschen sie im entscheidenden Moment vor der europäischen Kenntnis Amerikas ordneten und deuteten.

Häufig gestellte Fragen

Der Globus entstand zwischen 1492 und 1494 im Auftrag des Nürnberger Rats. Martin Behaim lieferte die Konzeption, während unter anderem Georg Glockendon der Ältere, Hans Storch und Petrus Gagenhart an der Ausführung beteiligt waren. Die Kugel besteht aus geleimten Stoffen, Pergament und Papier; Gestell und Horizontring wurden aus Eisen beziehungsweise Messing gefertigt.

Der Globus wurde kurz vor der europäischen Kenntnis Amerikas vollendet, daher fehlen Nord- und Südamerika vollständig. Die Darstellung zeigt den damaligen Wissensstand und verbindet antike Geografie, Reiseberichte, religiöse Vorstellungen und Erfahrungen aus Handel und Seefahrt.

Nein. Seine Größe, Konstruktion und reichhaltige Bildsprache sprechen eher für ein repräsentatives und gelehrtes Objekt. Er sollte Wissen über die Welt ordnen und sichtbar machen, nicht die praktische Navigation an Bord moderner Schiffe ersetzen.

Das Original befindet sich im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg in der Dauerausstellung zu Renaissance, Barock und Aufklärung. Das Museum ist montags geschlossen und meist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet; mittwochs gelten längere Öffnungszeiten bis 20.30 Uhr. Wegen Sanierungsarbeiten sollte man die aktuellen Besuchsinformationen vor der Anreise prüfen.

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Mein Name ist Marian Schindler und ich bringe seit über 10 Jahren Erfahrung in der Erforschung und Dokumentation der kulturellen Reisen und literarischen Entdeckungen Deutschlands mit. Meine Faszination für die deutsche Literatur und Geschichte begann früh und hat sich zu einer Leidenschaft entwickelt, die ich gerne mit anderen teile. Besonders interessiert mich, wie literarische Persönlichkeiten wie Mark Twain in verschiedenen Städten, insbesondere Heidelberg, gewirkt haben und welche kulturellen Einflüsse sie hinterlassen haben. In meinen Texten konzentriere ich mich darauf, komplexe Themen verständlich zu machen, indem ich sorgfältig Informationen überprüfe und verschiedene Perspektiven vergleiche. Ich liebe es, die Geschichten hinter den Orten zu entdecken und aufzuzeigen, wie sie mit den Werken der Autoren verbunden sind. Mein Ziel ist es, meinen Lesern nützliche und präzise Informationen zu bieten, die sowohl inspirierend als auch informativ sind.

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