Machtergreifung 1933 - Warum es keine war

Hitler und seine Gefolgsleute, ein Blick auf die Stufen der Machtergreifung Hitlers.

Geschrieben von

Winfried Adam

Veröffentlicht am

16. März 2026

Inhaltsverzeichnis

Die nationalsozialistische Machtübernahme war kein einzelner Paukenschlag, sondern eine Abfolge von Schritten, in denen politische Krise, juristische Fassade und offener Terror ineinandergreifen. Wer diese Entwicklung versteht, erkennt auch, warum die Weimarer Republik so schnell zerfallen konnte und weshalb die Jahre 1933 bis 1934 bis heute als Lehrstück für den Umgang mit Demokratie gelten.

Ich ordne die Ereignisse hier so, dass zuerst der historische Rahmen sichtbar wird, dann die konkreten Etappen und schließlich die Folgen für Staat, Parteien, Gewerkschaften und Gesellschaft. So lässt sich klar nachvollziehen, was in welchem Moment geschah und weshalb einzelne Entscheidungen den Weg in die Diktatur öffneten.

Die wichtigsten Etappen auf einen Blick

  • 30. Januar 1933 wurde Hitler zum Reichskanzler ernannt. Der Einstieg war legal, aber politisch fatal.
  • Nach dem Reichstagsbrand setzte die Reichstagsbrandverordnung Grundrechte außer Kraft und ermöglichte Massenverhaftungen.
  • Am 23. März 1933 gab das Ermächtigungsgesetz der Regierung die Macht, ohne Parlament zu regieren.
  • Im Frühjahr und Sommer 1933 wurden Gewerkschaften, Parteien, Länder und Verbände gleichgeschaltet.
  • Bis Sommer 1934 war die Macht durch den Röhm-Putsch und den Tod Hindenburgs endgültig konzentriert.

Warum Historiker lieber von Machtübertragung sprechen

Ich lese diese Phase am besten als Machtübertragung, Machtkonsolidierung und erst danach voll ausgebaute Diktatur. Der Begriff „Machtergreifung“ ist zwar geläufig, er verschleiert aber etwas Wichtiges: Hitler kam nicht durch einen klassischen Staatsstreich an die Spitze, sondern zunächst durch die Ernennung durch Reichspräsident Hindenburg und durch das anschließende Ausnutzen von Notverordnungen, Angst und politischer Lähmung.

Begriff Was er betont Warum das wichtig ist
Machtübertragung Die Übergabe der Regierungsverantwortung an Hitler durch konservative Eliten Zeigt, dass nicht nur die NSDAP handelte, sondern auch die alte politische Führung versagte
Machtergreifung Den Eindruck eines abrupten Zugriffs auf die Macht Ist eingängig, aber historisch zu grob, weil er die schrittweise Ausschaltung der Demokratie verdeckt
Machtkonsolidierung Die Absicherung der Herrschaft nach der Ernennung Erklärt, wie aus einem Kabinett eine Diktatur wurde

Diese begriffliche Unterscheidung ist mehr als Wortklauberei. Sie hilft zu sehen, dass die NS-Herrschaft nicht nur auf einem Moment basierte, sondern auf einer Kette von Entscheidungen, die jeweils den Handlungsspielraum der Gegner verkleinerten. Von hier aus führt der Blick direkt zu den Bedingungen, die diesen Aufstieg überhaupt möglich machten.

Welche Voraussetzungen den Aufstieg möglich machten

Ohne die Krise der Weimarer Republik wäre Hitlers Weg deutlich schwerer gewesen. Die politische Mitte war zersplittert, Regierungen hielten oft nur noch mit Notverordnungen, und viele Eliten unterschätzten die Radikalität der Nationalsozialisten. Hinzu kam die Angst vor einem kommunistischen Umsturz, die vor allem konservative Kreise dazu brachte, Hitler als vermeintlich kontrollierbaren Partner zu betrachten.

Auch die Wahlergebnisse zeigen ein entscheidendes Detail: Die NSDAP war stark, aber sie hatte keine demokratische Mehrheit, auf die sie sich dauerhaft hätte stützen können. Bei der Reichstagswahl vom 31. Juli 1932 erreichte sie 37,4 Prozent, am 6. November 1932 33,1 Prozent und am 5. März 1933 43,9 Prozent. Das ist viel, aber eben nicht genug für eine Mehrheit ohne Bündnisse, Druck und die systematische Ausschaltung der Gegner.

Ich halte gerade diesen Punkt für zentral: Die Nationalsozialisten kamen nicht allein durch Zustimmung an die Macht, sondern durch das Zusammenspiel von Proteststimmung, Krisenmüdigkeit, Propaganda und politischem Kalkül von oben. Genau deshalb lohnt es sich, die einzelnen Stufen der Entwicklung sauber auseinanderzuhalten.

Die zentralen Stufen von Januar bis März 1933

Der eigentliche Durchbruch liegt in wenigen, eng aufeinanderfolgenden Wochen. In dieser Phase verwandelte sich ein fragiles Kabinett in ein Herrschaftsinstrument, das innerhalb kürzester Zeit den Rechtsstaat aushöhlte.

Datum Schritt Politische Wirkung
30. Januar 1933 Hitler wird zum Reichskanzler ernannt Die NSDAP erhält den Zugriff auf die Reichsregierung, aber noch nicht auf den Staat als Ganzes
1. Februar 1933 Der Reichstag wird aufgelöst, Neuwahlen werden angesetzt Der Wahlkampf beginnt unter Bedingungen zunehmender Einschüchterung
27./28. Februar 1933 Reichstagsbrand und Reichstagsbrandverordnung Grundrechte werden außer Kraft gesetzt, politische Gegner können leichter verfolgt werden
5. März 1933 Reichstagswahl Die NSDAP bleibt ohne absolute Mehrheit, nutzt aber den Ausnahmezustand zur weiteren Machtsicherung
23. März 1933 Ermächtigungsgesetz Die Regierung kann ohne Parlament Gesetze erlassen und die Gewaltenteilung praktisch ausschalten

Wichtig ist die Reihenfolge. Erst kam die Regierungsbildung, dann der Ausnahmezustand, dann die juristische Entmachtung des Parlaments. Genau diese Abfolge machte aus einem demokratisch noch nicht vollständig kontrollierten Staat eine Herrschaftsordnung, die nach außen legal wirkte und nach innen immer brutaler wurde.

Wie Gewalt und Gesetz zusammenwirkten

Die NS-Herrschaft beruhte nicht nur auf offenen Übergriffen, sondern ebenso auf einer gezielt erzeugten Scheinlegalität. Das ist ein nüchterner, aber treffender Begriff: Nach außen blieben Formulare, Unterschriften und Abstimmungen bestehen, doch der politische Raum, in dem frei entschieden werden konnte, schrumpfte von Tag zu Tag.

Die Reichstagsbrandverordnung war dafür ein Schlüsselmoment. Sie setzte zentrale Freiheitsrechte außer Kraft, darunter Presse-, Vereins- und Versammlungsfreiheit. In der Praxis bedeutete das: Verhaftungen, Verbote, Überwachung und die Ausschaltung kommunistischer und sozialdemokratischer Strukturen konnten nun mit dem Hinweis auf staatliche Ordnung gerechtfertigt werden. Die Gewalt auf der Straße und die Gewalt im Amtszimmer griffen ineinander.

Dass das Ermächtigungsgesetz am 23. März 1933 mit 444 gegen 94 Stimmen angenommen wurde, ändert daran nichts. Die Abstimmung fand unter massivem Druck statt, mit eingeschüchterten Abgeordneten und einer politischen Lage, in der freie parlamentarische Entscheidung kaum noch möglich war. Genau deshalb ist es historisch präziser, von einem autoritären Zugriff unter legaler Hülle zu sprechen als von einem sauberen parlamentarischen Vorgang.

Von hier aus war der Weg zur nächsten Stufe frei: der systematischen Gleichschaltung des ganzen Staates.

Wie aus der Machtübernahme ein Einparteienstaat wurde

Mit dem Ermächtigungsgesetz war die Macht nicht automatisch vollständig gesichert. Deshalb folgte die nächste Phase, die ich als institutionelle Gleichschaltung beschreiben würde. Gemeint ist die Anpassung aller wichtigen Bereiche an die NS-Herrschaft: Länder, Verwaltung, Justiz, Gewerkschaften, Parteien, Medien und Verbände.

Besonders wichtig sind drei Daten. Am 7. April 1933 markierte das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums den Beginn der systematischen Entfernung politisch unerwünschter und jüdischer Beamter aus dem Staatsdienst. Am 2. Mai 1933 wurden die freien Gewerkschaften zerschlagen, ihre Häuser besetzt und ihr Vermögen beschlagnahmt. Am 14. Juli 1933 machte das Gesetz gegen die Neubildung von Parteien die NSDAP zur einzigen legalen Partei.

Für das Verständnis des Prozesses ist das entscheidend: Die Diktatur entstand nicht nur durch einen spektakulären Moment, sondern durch viele gezielte Schnitte. Wer die Gewerkschaften ausschaltet, schwächt die organisierte Arbeiterschaft. Wer die Parteien verbietet, zerstört den Wettbewerb um Macht. Wer Verwaltung und Justiz umbaut, schafft die Voraussetzung dafür, dass Repression nicht mehr aufgehalten wird.

Auch die Kultur wurde früh in Mitleidenschaft gezogen. Bücherverbrennungen, Propaganda und Zensur waren keine Nebensachen, sondern Teil derselben Logik: Der öffentliche Raum sollte nicht nur kontrolliert, sondern geistig neu geordnet werden. In einem Land mit einer starken literarischen und bürgerlichen Öffentlichkeit war das ein besonders tiefgreifender Einschnitt.

Was bis zum Sommer 1934 endgültig entschieden war

Einige Historiker lassen die Phase der nationalsozialistischen Machtkonsolidierung erst mit dem Sommer 1934 enden, und das ist gut begründet. Der Röhm-Putsch Ende Juni und Anfang Juli 1934 war mehr als nur eine Säuberungsaktion innerhalb der Partei. Er zeigte, dass Hitler auch die eigene Gewaltbasis neu ordnen konnte, wenn sie ihm politisch gefährlich wurde. Gleichzeitig beruhigte er damit die Reichswehr und konservative Kreise, die sich vor der SA gefürchtet hatten.

Als Hindenburg am 2. August 1934 starb, vereinigte Hitler die Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers in seiner Person. Damit war nicht nur die Regierungsmacht konzentriert, sondern auch der letzte Rest der verfassungsrechtlichen Gegengewichte beseitigt. Der persönliche Führereid der Reichswehr auf Hitler symbolisierte, wie weit die Umformung des Staates inzwischen gediehen war.

Ich würde diesen Punkt als endgültige Zäsur lesen: Spätestens hier war aus der Machtübernahme eine fest etablierte Diktatur geworden, die nicht mehr auf provisorische Arrangements angewiesen war. Was vorher als Abfolge von Schritten begann, war nun institutionell abgeschlossen.

Was diese Abfolge für das Verständnis von 1933 wirklich lehrt

  • Demokratische Systeme kippen oft nicht in einem einzigen Moment, sondern durch eine Reihe scheinbar einzelner Entscheidungen.
  • Notverordnungen und Ausnahmezustände können den politischen Raum so stark verengen, dass Wahlen und Parlamente nur noch Fassade sind.
  • Gewalt wirkt besonders effektiv, wenn sie von juristischen Formen begleitet wird.
  • Konservative Eliten können autoritäre Kräfte unterschätzen und damit selbst zum Beschleuniger des Zusammenbruchs werden.

Wer die Schritte der nationalsozialistischen Machtübernahme nüchtern betrachtet, sieht deshalb keinen simplen Staatsstreich, sondern das Zusammenwirken von Krise, Opportunismus, Zustimmung und Terror. Genau darin liegt die bleibende Warnung dieses Kapitels der deutschen Geschichte: Demokratie verliert sich oft nicht mit einem lauten Knall, sondern in vielen kleinen Verschiebungen, die erst im Rückblick ihre ganze Tragweite zeigen.

Häufig gestellte Fragen

Die Machtergreifung 1933 beschreibt den Prozess, durch den Adolf Hitler und die NSDAP die Macht in Deutschland übernahmen. Es war eine Abfolge von Schritten, die von Hitlers Ernennung zum Reichskanzler bis zur Etablierung einer Diktatur reichten, geprägt durch eine Mischung aus legalen Mitteln, Notverordnungen und Terror.

Historiker bevorzugen den Begriff "Machtübertragung", um zu betonen, dass Hitler nicht durch einen Staatsstreich, sondern durch die Ernennung durch Reichspräsident Hindenburg an die Macht kam. Dies hebt die Rolle der konservativen Eliten hervor und die schrittweise Ausschaltung der Demokratie, die nicht abrupt erfolgte.

Der Reichstagsbrand am 27./28. Februar 1933 diente den Nationalsozialisten als Vorwand für die "Reichstagsbrandverordnung". Diese setzte wesentliche Grundrechte außer Kraft und ermöglichte die Verfolgung politischer Gegner, insbesondere Kommunisten, was ein entscheidender Schritt zur Konsolidierung der NS-Macht war.

Das Ermächtigungsgesetz erlaubte der Regierung, Gesetze ohne Zustimmung des Parlaments zu erlassen und die Verfassung zu ändern. Es war der juristische Schlüssel zur Ausschaltung der Gewaltenteilung und zur Etablierung der Diktatur, da es der Regierung unbegrenzte legislative Macht verlieh.

Die Machtkonsolidierung endete nicht mit dem Ermächtigungsgesetz. Sie reichte bis zum Sommer 1934, markiert durch den Röhm-Putsch, der Hitlers interne Gegner eliminierte, und Hindenburgs Tod, der Hitler die Vereinigung der Ämter von Reichspräsident und Reichskanzler ermöglichte. Danach war die Diktatur fest etabliert.

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Winfried Adam

Ich bin Winfried Adam, ein erfahrener Content Creator mit über einem Jahrzehnt Engagement in der Welt der Kulturreisen und literarischen Entdeckungen in Deutschland. Mein Fokus liegt auf der tiefgehenden Analyse von historischen und kulturellen Stätten, insbesondere der faszinierenden Verbindung zwischen Literatur und Reiseerlebnissen. Mit einem besonderen Interesse an der deutschen Literaturgeschichte habe ich zahlreiche Artikel verfasst, die die kulturellen Schätze unserer Städte und deren literarische Bedeutung beleuchten. Mein Ansatz besteht darin, komplexe Informationen verständlich und ansprechend zu präsentieren, sodass Leser sowohl inspiriert als auch informiert werden. Ich strebe danach, meinen Lesern stets aktuelle, objektive und verlässliche Informationen zu bieten. Mein Ziel ist es, die Begeisterung für die kulturellen und literarischen Facetten Deutschlands zu fördern und ein Bewusstsein für die Bedeutung dieser Entdeckungen zu schaffen.

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